Am Wochenende fand in München die Sicherheitskonferenz statt. Anwesend waren mehr als 60 Staats- und Regierungschefs, über 100 Außen- und Verteidigungsministerinnen und -minister sowie mehr als 1000 Journalistinnen und Journalisten. Die Veranstaltung im Hotel Bayerischer Hof war von einem weiträumigen Sicherheitsbereich umgeben; ohne Akkreditierung war kein Zutritt möglich. Wenn US-Delegationen sich durch die Menge bewegten, wurde der Verkehr per "Freeze" gestoppt. Unter den US-Vertretern waren nicht nur Angehörige der Trump-Regierung, sondern auch demokratische Abgeordnete und der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom.
Im Zentrum stand die Rede von US-Außenminister Marco Rubio. Ein Jahr zuvor hatte Vizepräsident J. D. Vance Europa mit einem Auftritt geschockt, in dem er die atlantische Partnerschaft weitgehend infrage stellte. Rubio betonte nun die Freundschaft der Verbündeten, knüpfte daran aber Bedingungen. In einem viel diskutierten Satz erklärte er, die USA wollten Verbündete, die sich selbst verteidigen könnten, die nicht von Scham und Schuld geplagt seien, stolz auf ihre Kultur und Herkunft und sich bewusst seien, Erben derselben großen und noblen Zivilisation zu sein. Rubio nannte zudem gemeinsame Fehler des Westens: die Umarmung des Freihandels, einen "Klimakult", eine beispiellose Welle von Massenmigration und die Auslagerung staatlicher Souveränität an internationale Organisationen. Die USA würden damit aufräumen; die Europäer könnten mitmachen oder die USA würden allein weitermarschieren. Nach der Rede erhoben sich große Teile des Saals zu stehenden Ovationen, darunter Außenminister Johann Wadephul und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Der Vorsitzende der Konferenz, Wolfgang Ischinger, sprach anschließend von einem "erleichterten Seufzen" im Saal.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte tags zuvor die erste Rede gehalten. Er erklärte mit Bezug auf Vance' Auftritt des Vorjahres, dieser habe in der Beschreibung recht gehabt, der Kulturkampf der MAGA-Bewegung sei aber nicht der europäische. Merz forderte, Europa müsse ein weltpolitischer Faktor mit eigener sicherheitspolitischer Strategie werden. Er erinnerte an die Beistandsverpflichtung in Artikel 42 des EU-Vertrags, wonach sich die Mitgliedstaaten im Fall eines bewaffneten Angriffs Hilfe schulden. Diese müsse europäisch organisiert werden, nicht als Ersatz für die NATO, sondern als starker Pfeiler im Bündnis. Merz erklärte zudem, erste Gespräche mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über eine europäische nukleare Abschreckung aufgenommen zu haben. Frankreich besitzt Atomwaffen; Deutschland ist durch Atomwaffensperrvertrag und Zwei-plus-vier-Vertrag der Besitz verboten. Merz stellt sich eine nukleare Teilhabe nach Vorbild der Kooperation mit den USA vor. Die französischen Atomwaffen sind allerdings überwiegend seegestützt und starten von U-Booten, was die deutsche Rolle offenlässt. Merz betonte zugleich, dies stelle den US-Nuklearschutz nicht infrage.
Rubio erwähnte in seiner Rede weder Russland noch die Ukraine näher und nahm nicht an einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Merz, dem britischen Premier Keir Starmer, Macron und NATO-Generalsekretär Mark Rutte teil. Er reiste nach der Rede aus Termingründen direkt weiter in die Slowakei und nach Ungarn. Selenskyj war anwesend und führte mit einer Präsentation vor, wo es bei der Unterstützung der Ukraine hapert, etwa bei der Luftverteidigung.

