Die Bundesregierung steht beim CO2-Ausstoß unter Druck — aus drei Richtungen: der europäischen Gebäuderichtlinie, dem Grundgesetz und dem Klimaschutzgesetz. Nach aktuellen Prognosen werden die Ziele des Klimaschutzgesetzes für 2030 verfehlt, um mindestens 5, möglicherweise bis zu 15 Millionen Tonnen CO2 — und das selbst unter der Annahme, dass das heutige, relativ strenge Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft bleibt. Der Gebäudebereich ist für rund 40 Prozent der Emissionen verantwortlich.
Am Dienstagabend stellten SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und Unionsfraktionschef Jens Spahn Eckpunkte vor. Das GEG soll in Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) umbenannt und inhaltlich entkernt werden. Die heutige Kernvorgabe — neue Heizungen müssen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden, was in über 90 Prozent der Fälle auf eine elektrische Wärmepumpe hinausläuft — soll über die Streichung der Paragrafen 71 und 72 entfallen. Damit dürften weiterhin neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden, auch in Neubauten.
Stattdessen plant die Koalition eine Grüngasquote, ursprünglich eine Idee der Gaslobby: Ab 2029 soll dem Erdgas zunächst 10 Prozent Biomethan oder Wasserstoff beigemischt werden, mit über die Jahre steigendem Anteil. Kontrollieren soll das der Schornsteinfeger anhand des Gasvertrags. Grüner Wasserstoff aus erneuerbarem Strom ist bislang kaum verfügbar — Elektrolyseure sind Modellprojekte — und ineffizient: Strom zu Wasserstoff und zurück zu Wärme bringt nur einen Bruchteil der Energie ins Haus, während eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom das Drei- bis Vierfache an Heizenergie macht. Auch Biomethan ist knapp; zusätzlicher Anbau verbraucht Flächen und konkurriert mit Nahrungsmitteln.
Umweltminister Carsten Schneider hatte zur Bedingung gemacht, dass eine Reform dieselben CO2-Einsparungen bringen müsse wie das heutige GEG. Dass das mit der Grüngasquote gelingt, gilt als sehr zweifelhaft: Eine Absenkung von 65 Prozent erneuerbar (ab nächstem Jahr) auf 10 Prozent (erst ab 2029) kann rechnerisch kaum dieselbe Wirkung haben. Auf die entsprechende Frage des Journalisten Malte Kreutzfeldt antwortete Miersch nicht zur CO2-Frage, sondern verwies nur auf nötige lange Übergangsfristen und eine „tragfähige" Einigung innerhalb der Koalition.
Die Denkfabrik EPICO kommt zu dem Schluss, dass die steigenden Quoten an nicht fossilen Gasen rasch Mengen erfordern, die der Markt absehbar kaum liefern kann — was die Preise treibt. Die Mehrkosten beziffert EPICO bereits für 2030 auf knapp 180 Euro pro Jahr für Haushalte, die mit Gas heizen — zusätzlich zu steigenden CO2-Preisen und steigenden Netzentgelten, die auf immer weniger verbleibende Gaskunden umgelegt werden. Eine Studie des Wuppertal-Instituts und des Instituts der deutschen Wirtschaft urteilt, Biomethan stehe nur begrenzt zur Verfügung und sei keine robuste Lösung; die Nachteile einer Grüngasquote überwögen unabhängig von ihrer Ausgestaltung, Haushalte drohten zu den großen Verlierern zu werden.
Spahn erklärte, Biomethan werde so beigemischt, dass es bezahlbar und planbar bleibe. Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima, forderte dagegen „Ruhe im Heizungskeller" und keine neuen Debatten. Die Wärmepumpe war 2025 die meistverkaufte Heizungsart in Deutschland; Hersteller und Installateure haben massiv in die Technik investiert. Die aktuelle Förderung beträgt bis zu 70 Prozent der Investitionskosten (einkommensabhängig); Miersch sagte, sie solle bis mindestens 2029 verlässlich bleiben, blieb aber zur Höhe unkonkret.

