Seit zwei Wochen führen die USA und Israel Krieg gegen den Iran. Die militärische Zwischenbilanz ist durchwachsen: Trotz großer Überlegenheit ist das Regime bislang nicht geschwächt. Ayatollah Chamenei wurde mit einem Teil seiner Familie und hochrangigen Militärs getötet; sein Sohn wurde jedoch bereits zum neuen religiösen Führer ernannt.
Der Iran verfügt über mehr ballistische Raketen und Drohnen als erwartet; der Beschuss ist zurückgegangen, geht aber weiter. Über Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus hat das Regime die Weltwirtschaft beeinträchtigt. Eine Forderung nach Kapitulation wurde in Teheran brüsk zurückgewiesen.
Als Kriegsziele galten die Zerstörung der iranischen Marine, ein Regimewechsel, die Vernichtung der ballistischen Kapazitäten und die Beseitigung der Atomwaffen-Fähigkeit. Die Marine scheint weitgehend zerstört; ein US-U-Boot versenkte in Südostasien ein iranisches Kriegsschiff. Ein Regimewechsel ist nicht in Sicht; die ballistischen Kapazitäten sind dezimiert, aber nicht vernichtet. Beim Thema Atomwaffen ist vieles unklar: Der Iran schaffte angereichertes Uran weg; wo es lagert, ist offen.
Die Kosten sind erheblich. Sechs US-Soldatinnen und -Soldaten wurden getötet; laut HRANA fast 1.300 Zivilistinnen und Zivilisten bei Luftangriffen. Das Pentagon — unter Trump in Department of War umbenannt — teilte dem Senat mit, die erste Kriegswoche habe mehr als 11,3 Milliarden Dollar gekostet; laufend seien es über eine Milliarde Dollar pro Tag auf US-Seite, dazu Israels Kosten in ähnlicher Größenordnung. Der höhere Ölpreis treibt weltweit die Inflation; auch Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden knapper.
Trump setzte Sanktionen gegen russische Ölexporte für einen Monat aus; ein Teil der Einnahmen — faktisch Milliarden — fließt in die russische Kriegskasse. So verkompliziert der Iran-Krieg auch den Ukraine-Krieg.
Zur Einordnung dient die Powell-Doktrin. Colin Powell — Anfang der 1990er-Jahre Chairman der Joint Chiefs of Staff, später Außenminister unter George W. Bush — formulierte acht Testfragen vor einem Kriegseintritt: nach nationalem Sicherheitsinteresse, klarem Ziel, Risiko- und Kostenanalyse, Ausschöpfung gewaltfreier Mittel, Ausstiegsstrategie, Folgenbedenken, Rückhalt im Volk und internationaler Unterstützung.

