In Folge des Krieges am Golf und vor allem der Blockade der Straße von Hormus sind die Preise am Weltmarkt für Öl stark gestiegen, und kurz darauf auch die Preise an deutschen Tankstellen. Auffällig ist, dass die Tankstellenpreise teils schon stiegen, bevor der Ölpreis nachzog und bevor eine Verknappung an den Tankstellen überhaupt ankommen konnte. Zu beobachten ist zudem, dass die Preise sehr schnell steigen, wenn sich etwas andeutet, danach aber nur langsam fallen. In Deutschland liegen die Preise hoch — Diesel über zwei Euro —, während sie in anderen EU-Ländern moderater steigen. Ralf Dewenter, Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität der Bundeswehr in Hamburg, vermutet daher, dass der Wettbewerb zwischen den Mineralölkonzernen in Deutschland beschränkt ist.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte drei Maßnahmen an. Erstens ein „österreichisches Modell": Tankstellen sollen die Preise nur einmal am Tag erhöhen dürfen, aber jederzeit senken dürfen; dafür müsste ein Gesetz geändert werden, der Zeitplan ist unklar. Zweitens will die Bundesregierung prüfen, inwieweit die kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht für den Kraftstoffsektor verschärft werden könnte. Drittens sollen 2,4 Millionen Tonnen Erdöl und Erdölprodukte aus der strategischen Reserve freigegeben werden — rund 10 Prozent der deutschen Reserven; damit folgt Reiche einem Beschluss der Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA). Die Idee ist, durch ein größeres Angebot die Preise zu senken.

Mehrere Fachleute äußern sich skeptisch zur Wirksamkeit. Thomas Wein, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Leuphana-Universität Lüneburg, sagt, der Lösungsansatz werde dem Kraftstoffsektor nicht gerecht, da die wahren Preistreiber die Großhandels- bzw. Raffineriepreise seien; die Tankstellen selbst hätten kaum Handlungsspielraum. Einen bedenkenswerten Punkt sieht er allerdings in der Beobachtung, dass die Tankstellenpreise schnell steigen, wenn die Inputpreise steigen, und nur langsam zurückgehen, wenn diese sinken. Ob die kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht hier helfe, dafür fehle ihm „die Fantasie". Manuel Frondel, Professor am RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, sagt, aus der Häufigkeit von Preisänderungen allein lasse sich nicht auf Marktversagen schließen; dynamische Preissetzung könne auch Ausdruck intensiven Wettbewerbs sein, und die Politik solle erst die Ursachen analysieren, bevor sie reguliere. Den Rückgriff auf die staatlichen Ölreserven nach nicht einmal zwei Wochen gestiegener Preise nennt Frondel „völlig unangemessen": Wenn Öl wirklich knapp werde und die Reserven leer seien, werde es richtig teuer — dieses Risiko solle man nicht eingehen, nur um kurzfristig „Volkes Seele zu balsamieren".