In Woche drei des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran verläuft das Geschehen anders als von der US-Regierung erwartet. In dieser Woche wurden zwei führende Personen des Regimes getötet: Ali Larijani, der nach dem Tod des religiösen Führers Ali Khamenei als mächtigster Mann galt und einem israelischen Luftangriff zum Opfer fiel, sowie Gholam Reza Soleimani, Chef der Basij-Milizen. Trotz dieser Verluste in der ersten Reihe zeigt sich das Regime bemerkenswert stabil. Nach Berichten von Reuters gibt es keine von außen erkennbaren Risse und keine nennenswerten Proteste. Der bereits ernannte neue Führer hat bei dem Angriff einen Großteil seiner Familie verloren.
Der Iran setzt seine Angriffe fort. Laut einer Analyse von Sebastian Hamann, Kapitän zur See, der Lageanalysen für das Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel verfasst, gehen die iranischen Angriffe zwar zurück. Für die strategische Wirkung genüge aber ein erfolgreicher Angriff alle paar Tage als Signal, dass das Regime noch handlungsfähig ist. Die Raketen hätten erhebliche Schäden an Ölanlagen angerichtet; zerstörte Frühwarnradarsysteme verkürzten Israels Vorwarnzeit bei anfliegenden Raketen oder Drohnen von 20 bis 30 auf 5 bis 10 Minuten. Zugleich ist der Munitionsverbrauch auf israelischer und vor allem US-Seite enorm, besonders bei der Luftabwehr, wo bereits eine Jahresproduktion an Abwehrgeschossen verbraucht wurde. Dadurch sinken die westlichen Lagerbestände, was sich negativ auf die Ukraine auswirkt: Munition, die am Golf verbraucht wird, fehlt dort. Parallel haben die USA Sanktionen gegen Russland gelockert; es kann sein Öl zum höheren Preis verkaufen und mit Mehreinnahmen von rund 10 bis 15 Milliarden rechnen, was seinen Krieg gegen die Ukraine stützt.
Kriegsziel Nummer eins ist für die US-Regierung, die vom Iran faktisch blockierte Straße von Hormuz an der iranischen Südküste wieder freizubekommen. Etwa 20 Prozent des globalen Rohöl-Verbrauchs müssen dort durch; der Ölpreis ist um 40 bis 50 Prozent gestiegen, auf den Märkten herrscht Panik. Flüssiggas (LNG) lässt sich nicht per Pipeline umleiten: Viel davon kommt vom persischen Golf und wird ausschließlich per Schiff transportiert, auch nach Europa, das sich nach dem Ende der russischen Gaslieferungen darauf konzentriert hatte. Auch hier steigen die Preise. Betroffen ist zudem Kunstdünger: 70 bis 80 Prozent der Produktionskosten entfallen auf Gas, ein Drittel der global gehandelten Düngemittel stammt vom Golf. Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung hängen allein 21 Frachter mit einer Million Tonnen Düngemittel fest; eine Nahrungsmittelkrise insbesondere in Afrika droht.
Derzeit fahren nur etwa zwei bis drei Schiffe am Tag durch die Meerenge, statt der früheren 70 bis 80; Reeder müssen mit Beschuss rechnen, Versicherungen streichen den Schutz. Ob die Straße vermint ist, ist unklar; laut Economist würde eine Räumung Monate dauern. Auch ohne Minen wäre die Sicherung extrem schwer: An beiden Ufern liegen Berge mit tausenden Verstecken, und der Iran kann Schiffe auch aus 100 bis 200 Kilometern Entfernung beschießen. Ein Freikämpfen der Passage sei nicht realistisch, so Hamann; selbst nach einer Öffnung sei wegen der Schäden an der Energieinfrastruktur nicht mit einer schnellen Wiederherstellung der vollen Kapazitäten zu rechnen.
Der Iran hat am 13. März erklärt, die Straße von Hormuz liege im nationalen Interesse; Schiffe sollten sich anmelden, ein türkisch geflaggtes Schiff sei so durchgefahren. Trump forderte in der Financial Times, andere Länder — auch aus der EU — sollten helfen, die Straße freizubekommen, und drohte mit Folgen für die NATO. Europa lehnte ab: Die NATO sei ein Verteidigungsbündnis und unterstütze ihre Mitglieder nicht bei einem — zumal völkerrechtswidrigen — Angriffskrieg, den die USA ohne Konsultation begonnen hätten. Merz erklärte, Deutschland wünsche zwar ein Ende des iranischen Nuklear- und Raketenprogramms, beteilige sich aber nicht an diesem Krieg und werde die Schifffahrt in der Straße von Hormuz nicht militärisch gewährleisten; es fehle auch ein nach dem Grundgesetz erforderliches Mandat von UNO, EU oder NATO. Trump reagierte verärgert und sprach von einem dummen Fehler.

