Lang differenziert: Einerseits sieht sie, dass die strukturellen Bedingungen für Politik schwierig geworden sind — die Ampel sei nach anderthalb Jahren unbeliebt gewesen, die jetzige Regierung schon nach einem Jahr. Andererseits hat sie wenig Mitleid mit Merz. Mit Verweis auf Kevin Kühnert sagt sie, Merz scheitere nicht nur an den Erwartungen der Bevölkerung, sondern an den Erwartungen, die er selbst geschürt habe — etwa der Behauptung, man könne einen Bundeshaushalt allein über das Bürgergeld sanieren, oder dass eine Wirtschaftswende ohne Robert Habeck quasi von selbst komme.
Beim Thema Wahlkampf zeigt Lang Verständnis für Zuspitzung und Profilbildung; auch bei den Grünen gebe es im Wahlkampf ein „Wünsch dir was". Sie zieht aber eine Grenze zur Unseriosität, etwa bei der Schuldenbremse: Es sei legitim, eine Reform abzulehnen — wer aber keine Reform wolle, brauche ein tragfähiges Finanzierungskonzept, und eines, das am Ende auf unsichere Milliardeneinsparungen beim Bürgergeld setze, sei unseriös. Auf Nachfrage stimmt sie zu, dass Merz spätestens seit Herbst 2024 ein belastbares Konzept hätte vorlegen müssen. Es habe zudem an Transparenz gefehlt: Zeitungsberichten zufolge habe er schon Wochen vor der Wahl an einem Gutachten zur Reform der Schuldenbremse gearbeitet, dies aber nicht offen kommuniziert.
Den Kern des Problems sieht Lang im Fokus aller demokratischen Parteien — auch ihrer eigenen — auf kurzfristige Kommunikation und die nächste Landtagswahl, der die konzeptionelle Arbeit an der Substanz koste. Es fehle schlicht die Zeit; „Alibi-Termine" zu langen Linien brächten wenig. Mit Blick auf die Union argumentiert sie, Markus Söder habe der Partei einen Anti-Grün-Kurs aufgedrückt, der sie in eine doppelte strategische Sackgasse geführt habe: koalitionstechnisch in Richtung einer alternativlosen großen Koalition und inhaltlich in eine antiökologische Richtung, die an einer breiten Wählerschaft vorbeigehe. Aus dem Ergebnis in Baden-Württemberg leitet sie ab, dass die „Methode Söder" gescheitert sei.
Zur Lage ihrer eigenen Partei — in Umfragen bei 11 bis 12 Prozent — lehnt Lang die aus ihrer Sicht dümmste Debatte ab, nämlich ob alle so werden müssten wie Özdemir oder ob man mit dessen Kurs gar nichts zu tun haben wolle. Von Özdemir könne man eine innere Unabhängigkeit und Authentizität mit klarer Positionierung lernen; die Menschen fänden Parteien und „Parteisoldatentum" derzeit unattraktiv. Bei den sozialen Medien wendet sie sich gegen Fatalismus: Demokraten sollten diese Orte und Emotionen nicht den Rechten überlassen. Zugleich sieht sie ein grundlegendes Problem darin, dass kommunikative, politische und finanzielle Macht in den Händen weniger Konzerne und „Oligarchen" wie Elon Musk konzentriert sei, die zudem wenig Steuern zahlten. Ob Demokratien stärker seien, entscheide sich auch daran, ob sie die sozialen Medien unter Kontrolle bekämen.
Auf den Vorwurf, die Grünen hätten den Zusammenhang zwischen hohen Spritpreisen und schleppender Energiewende kommunikativ liegen gelassen, reagiert Lang persönlich getroffen: Man habe das „hoch und runter" erzählt, dringe damit aber nicht durch. Sie warnt davor, in eine unempathische „Selbst schuld"-Haltung zu verfallen, und fordert stattdessen ein Zukunftsargument: Wer Öl und Gas importiere, importiere Unsicherheit und Abhängigkeit; wer in Erneuerbare investiere, investiere in Sicherheit, Souveränität und Bezahlbarkeit. Sie kritisiert, dass die Regierung das Gegenteil tue — Gebäudemodernisierungs- und Netzpaket sowie geplante Kürzungen bei privaten Solaranlagen führten zurück zu fossilen Energien. Davon profitiere vor allem die fossile Gaslobby, während Menschen mit kleinem Geldbeutel und Mieter die Last trügen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnet sie zugespitzt als gute Pressesprecherin für die fossile Gaslobby, was nicht ins Wirtschaftsministerium gehöre. Zur Oppositionsarbeit hält sie fest, dass das klassische Aufzeigen von Regierungsfehlern heute schwieriger sei, weil viele weder die Ampel noch eine künftige Regierung für besser hielten — sie müsse Fehler benennen, ohne in den Chor „die können es alle nicht" einzustimmen.