Die US-Firma Palantir stellt Analysesoftware her, die von Kritikern als Inbegriff eines Überwachungsstaats-Werkzeugs gilt — eingesetzt im Krieg gegen den Iran und bei der Migrantenverfolgung in den USA. Das Produkt „Gotham" zapft verschiedene Datenquellen an und stellt unverbundene Daten in Dashboards in Zusammenhang.

Das KI-System „Maven Smart Systems" schlägt laut Washington Post auf Basis von Satellitendaten Hunderte militärische Ziele vor. In Minnesota durchsuchte eine Palantir-Software Datenbanken nach Menschen mit Migrationshintergrund und aggregierte Fotos, Telefonnummern, Social-Media-Accounts und Gesundheitsdaten; ICE-Beamte erhielten auf einer App namens „Elite" eine kartenähnliche Anzeige möglicher Einsatzorte.

Auch deutsche Polizeien nutzen Palantir und sind begeistert. Ein durchgesickerter, als „nur für den Dienstgebrauch" klassifizierter Erfahrungsbericht von drei Landeskriminalämtern — Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen — sollte das Bundesinnenministerium von einer bundesweiten Einführung überzeugen.

Hessen nutzt seit 2017 die Plattform „Hessendata" mit 2.000 Nutzern. Im Bergisch-Gladbach-Komplex wurden Daten von 61 Asservaten mit mehreren Millionen Datensätzen ausgewertet: Bildmetadaten lokalisierten ein gemeinsames WLAN auf Mallorca, E-Mails und Hotelbuchungen bestätigten den Aufenthalt der Verdächtigen. NRW betreibt „DARA" mit Daten aus 16 Quellsystemen; eine Handynummer führte über den Verkehrsdatenbestand zu einem konkreten Aufenthaltsbereich eines Terrorverdächtigen. In Bayern durchsuchte „Vera" beim Anschlag vom 5. September 2024 auf das israelische Generalkonsulat und das NS-Dokumentationszentrum in München alle bayerischen Bestände in wenigen Minuten statt per Abfrage bei rund 60 Dienststellen, die mindestens einen Tag gedauert hätte. GPS-Daten und eine Heatmap belegten, dass der Täter allein aus Österreich angereist war.

Dr. Thomas Petri, Datenschutzbeauftragter in Bayern, sieht darin einen erheblichen Grundrechtseingriff: Die Analyse führe operative Datenbanken wie Kriminalaktennachweis und Verkehrsordnungswidrigkeiten zusammen, obwohl viele davon nichts mit Kriminalität zu tun hätten. Er selbst werde statistisch mehrmals täglich gescannt. Die GFF hatte gegen den Einsatz in Hessen geklagt; das Bundesverfassungsgericht erklärte ihn für verfassungswidrig, ließ ihn aber mit detaillierterer Rechtsgrundlage zu.

Die Schweizer Armee empfahl nach einer Risikobewertung, auf Palantir zu verzichten — wegen digitaler Souveränität, nicht Datenschutz. Auf Bundesebene will das Innenministerium die Software für das BKA; die SPD ist dagegen, die Union tendenziell dafür. Sachsen und Sachsen-Anhalt sind laut Bericht ebenfalls interessiert.