In Hamburg haben am Donnerstag über 10.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt demonstriert. Collien Fernandes wollte dort zunächst nicht sprechen, weil es gegen sie Morddrohungen gab und gibt, kam dann aber spontan dazu. Sie schilderte, wie sehr solche Erfahrungen emotional belasten, verwies auf das große Dunkelfeld und nannte Zahlen, wonach nur 5 Prozent der partnerschaftlichen Gewalt und 2,4 Prozent der digitalen Gewalt angezeigt würden. Sie trat mit schusssicherer Weste, Polizeischutz und Security auf.

Collien Fernandes ist Fernsehmoderatorin, Schauspielerin und Autorin. Über Jahre wurden unter ihrem Namen gefälschte Profile auf Plattformen wie LinkedIn erstellt, über die in ihrem Namen Kontakte zu Männern geknüpft sowie pornografische Bilder und Videos verschickt wurden, in denen Frauen ihr täuschend ähnlich sehen. Diese Inhalte wurden mit KI erstellt, sogenannte Deepfakes, bei denen das Gesicht einer Person in fremde Aufnahmen montiert wird. Laut Spiegel sind mehr als 90 Prozent der Deepfake-Videos im Internet Sexfilme. 2024 erstattete Fernandes Anzeige gegen unbekannt; jüngst beschuldigte sie im Spiegel ihren Ex-Mann Christian Ulmen, sowohl körperlich übergriffig geworden zu sein als auch Urheber der Fake-Profile und -Videos zu sein.

Der Spiegel beruft sich auf Aussagen von Fernandes und auf Personen aus dem damaligen Umfeld, die die Vorwürfe teils an Eides statt bestätigt haben sollen; ob diese Erklärung vor einem Notar abgegeben wurde, steht nicht im Bericht. Zitiert wird zudem aus einer angeblichen Mail Ulmens an einen Strafverteidiger, in der er die Vorwürfe teils eingestehe und Reue zeige. Ulmens Anwalt Christian Schertz erklärte, der Bericht sei rechtswidrig, da unwahre Tatsachen aufgrund einseitiger Schilderung verbreitet würden; es handle sich um ungerechtfertigte Verdachtsberichterstattung. Der Spiegel verweist auf ein Hintergrundgespräch, aus dem nicht zitiert werden dürfe. Ein Gericht in Palma de Mallorca hat Vorermittlungen eingeleitet; die Anzeige liegt seit drei Monaten vor, bislang ohne Hausdurchsuchung oder Verhaftung. Das Verfahren ist offen, nichts ist bewiesen.

Eine Studie der Bundesregierung und des Bundeskriminalamts ergab, dass jede fünfte Frau in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren digitale Gewalt erlebt hat. Männer sind ebenfalls betroffen, etwa in Chats von Onlinespielen, jedoch typischerweise nicht sexualisiert. Frauen erhalten häufig Drohungen in sozialen Medien und per E-Mail, erleben gefälschte Profile in ihrem Namen und sind oft sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Genannt werden weitere Fälle als Kontext: der Missbrauchskomplex um Jeffrey Epstein, der Fall Gisèle Pelicot, der Prozess gegen den Rapper P. Diddy sowie die KI Grok, mit der zeitweise Bilder von Personen automatisiert "entkleidet" werden konnten.