Im Zentrum steht die Frage, ob es in Deutschland eine Strafbarkeitslücke bei digitaler Gewalt gibt, etwa beim Erstellen von Deepfakes und gefälschten Pornos. Collien Fernandes erstattete ihre Anzeige Ende 2025 in Spanien, weil die dortigen Behörden im Umgang mit solchen Fällen erfahrener seien und die Gesetzeslage besser sei als in Deutschland. Hierzulande gibt es bislang keinen eigenen Straftatbestand, der das Erstellen gefälschter Pornos verbietet. Vorhanden ist ein Flickwerk von Normen, die nur Teilaspekte erfassen: der Stalking-Paragraf für gefälschte Profile, der Beleidigungstatbestand mit unklarer Rechtsprechung sowie das Kunsturhebergesetz, das das Verbreiten von Bildern unter Voraussetzungen verbietet, aber nur geringe Strafen vorsieht.

Das Bundesjustizministerium plant ein digitales Gewaltschutzgesetz. Eine geleakte, sehr frühe Fassung bleibt bei Deepfake-Pornos fragmentarisch, weil sie nicht die sexuelle Selbstbestimmung ins Zentrum stellt, sondern auf ein Täuschungselement abstellt. Die Grünenfraktion hat über die Abgeordnete Lena Gumnior einen eigenen Entwurf vorgelegt, der nun im Rechtsausschuss liegt und die sexuelle Selbstbestimmung in den Mittelpunkt rückt sowie Ausnahmen für Wissenschaft und Kunst enthält. Der BMJV-Entwurf will daneben auch nicht-sexualisierte Deepfakes unter Strafe stellen, sofern sie dem Ansehen erheblich schaden, sowie Account-Sperren ermöglichen, mit denen Gerichte anordnen können, dass ein Account in Deutschland nicht mehr angezeigt wird.

Diskutiert wird, dass ein Gesetz allein nicht reicht. Genannt werden vier Bausteine: bessere Ausstattung von Polizei und Justiz, Maßnahmen gegen Plattformen und Bildung. Bei der Polizei wird auf Schwerpunktkommissariate und diskriminierungssensibles Personal verwiesen. Bei den Plattformen regelt der Digital Services Act (DSA) digitale Plattformen, setzt aber stark auf Selbstregulierung, die etwa bei der KI Grok nicht funktioniert hat. Artikel 9 des DSA verpflichtet Plattformen, Anordnungen nationaler Gerichte und Behörden umzusetzen. In Deutschland müsste eine Polizeibehörde dafür den bei der Bundesnetzagentur angesiedelten Digital Services Coordinator einschalten.

Als weiterer Kontext wird die sogenannte Manosphere genannt, eine frauenfeindliche Männersphäre mit Vertretern wie Andrew Tate; eine Studie des Institute for Strategic Dialogue belegt ein etabliertes Manosphere-Ökosystem auch in Deutschland. Kritisiert wird zudem, dass Bildungsministerin Karin Prien Projekte aus dem Topf "Demokratie Leben" mit jährlich rund 190 bis 200 Millionen Euro künftig nach neuen Kriterien fördern will, sodass etwa der feministische Juristinnentag und die Organisation HateAid nur noch bis Jahresende gesichert sind. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß bezeichnete HateAid am Tag der Spiegel-Recherche als linksaktivistisch. Auf eine Frage der Abgeordneten Gumnior nach seinem Schweigen verband Bundeskanzler Merz das Thema mit der Aussage, ein beachtlicher Teil dieser Gewalt komme aus den Gruppen der Zuwanderer.