Die staatliche Rente wird nicht reichen, um im Alter den Lebensstandard zu sichern, weshalb private Vorsorge wichtig ist. Da diese Geld kostet und nicht alle ausreichend Mittel haben, fördert der Staat sie bereits. Die bisherige Umsetzung über die Riester-Rente gilt jedoch als gescheitert: Vor rund 20 Jahren wurde festgelegt, dass keinerlei Verluste entstehen dürfen, sodass Versicherungskonzerne die Einzahlungen zu 100 Prozent garantieren mussten – faktisch eine teure Versicherung gegen Kursverluste. Die hohen Gebühren drückten die Rendite stark, weshalb sich Riester-Verträge heute kaum noch empfehlen lassen. Mehr als ein Viertel der rund 20 Millionen Verträge wurde bereits gekündigt.
Die Regierung hat nun ein altes Ampelprojekt aufgegriffen und durch den Bundestag gebracht: das Altersvorsorgedepot, eine Art Riester 2.0. Ab 1. Januar des kommenden Jahres sollen erste Produkte erhältlich sein. Ein Depot ist im Kern ein Konto zur Verwaltung von Aktien und anderen Anlagen. Es soll drei Typen staatlich geförderter Altersvorsorgedepots geben.
Der erste Typ ist ein staatlich zertifiziertes, selbst gemanagtes Depot, das Banken und Versicherungen anbieten können und das auch Selbstständigen offensteht. Sparende richten einen Sparplan ein und entscheiden selbst über die Anlage. Der Staat fördert das Sparen erheblich: Wer 30 Euro im Monat in einen ETF einzahlt, erhält 15 Euro dazu (50 Prozent Förderung), mit einem Kind weitere 25 Prozent. Die maximale Förderung wird bei 150 Euro im Monat erreicht; bei höheren Beträgen bleibt die Zulage absolut gleich und sinkt prozentual. Laut einer Berechnung von Finanztip ergeben sich nach Jahrzehnten 20 bis 30 Prozent mehr Rendite als bei einem ungeförderten Sparplan. Einzelaktien oder Kryptowährungen sind ausgeschlossen, gängige ETFs wie ein MSCI World oder DAX-ETF jedoch möglich.
Der zweite Typ ist ein Standarddepot, bei dem die Bank nach staatlichen Leitplanken über die Anlage entscheidet – ein Rundum-sorglos-Paket. Hier dürfen die Anbieter bis zu ein Prozent Kosten erheben. Bei 50.000 Euro Depotwert wären das 500 Euro pro Jahr, bei 100.000 Euro 1.000 Euro – jährlich, was die Rendite stark belastet. Der dritte Typ ist ein staatlich gemanagtes Standarddepot, bei dem der Staat die Anlage übernimmt. Da keine Vertriebskosten und keine Gewinnabsicht anfallen, soll es deutlich günstiger sein, mit Kosten im Bereich von 0,2 Prozent – nahe am schwedischen Rententopf mit rekordverdächtig niedrigen 0,1 Prozent. Dieses staatliche Depot wurde laut Podcast kurzfristig ins Gesetz geschrieben, was Lobbyisten überraschte. Auszahlungen sind flexibel: etwa ein Drittel sofort und der Rest verteilt bis zu einem gewählten Lebensjahr oder eine lebenslange Auszahlung mit entsprechend geringeren Monatsbeträgen.

