Vor einigen Wochen ging es um die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, den Anschluss erneuerbarer Energien ans Stromnetz zu erschweren: Netzbetreiber sollen nicht mehr verpflichtet sein, möglichst schnell anzuschließen, und es soll weniger Kompensation geben, wenn eine Windkraftanlage wegen lokaler Netzüberlastung vom Netz genommen wird. Reiches Argument ist, die Energiewende bezahlbar und effizienter zu machen. Viele Fachleute gehen jedoch davon aus, dass dies die Energiewende und den Windausbau ausbremst – obwohl Wind und Sonne die billigsten Energiequellen sind.
Die Hosts hatten in der Vorwoche vorgeschlagen, statt der „Holzhammer-Methode" des Abregelns Preisanreize zu setzen, damit der Strom lokal verbraucht wird und die Netze nicht überlastet werden. Die lokalen Netze sind in der Regel in Ordnung; eng wird es vor allem in den größeren Fernnetzen. Dazu kam Kritik im Forum: In Deutschland gebe es eine bundesweite Preiszone, die sogenannte Kupferplatte, sodass Strom überall gleich viel koste – eine lokale Steuerung sei daher nicht möglich.
Der Strompreis, den Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen, lässt sich dennoch lokal beeinflussen. Zwar gilt für die Kilowattstunde ein bundesweiter Preis, doch der Endpreis besteht aus mehreren Elementen, darunter den Netzentgelten – einer Gebühr für den Transport des Stroms, mit der Netze gebaut und ausgebaut werden. Diese Netzentgelte werden bereits heute regional auf Ebene der Netzbetreiber festgelegt und sind nicht bundesweit einheitlich. Allerdings sind sie nicht dynamisch: Sie werden statisch Monate im Voraus festgelegt, reagieren nicht auf die aktuelle Netzsituation und gelten nur für den Strombezug, nicht für die Einspeisung.
Der Börsenstrompreis schwankt bereits alle 15 Minuten. Ähnliches wäre auch für die Netzentgelte denkbar: Der Strombezug würde je nach regionaler Netzauslastung mehr oder weniger kosten. Bei negativen Netzentgelten – man bekäme Geld für die Abnahme – entstünde ein starker Anreiz, Strom lokal zu verbrauchen, statt Windanlagen abzuregeln. Attraktiv würden dann etwa Elektrolyseure, die Strom in Wasserstoff umwandeln, Batteriespeicher sowie netzdienliches Verhalten von Industrieunternehmen. Die Firma Octopus, in Großbritannien lange aktiv und nun auch in Deutschland, bestätigt die Machbarkeit. CEO Bastian Gierull bezeichnet dynamische Netzentgelte als entscheidenden Hebel für die Elektrifizierung, der flexibles Verbraucherverhalten belohne und auch Netzbetreibern nütze, da Lastspitzen gekappt und teurer Netzausbau sowie Redispatch reduziert würden. Die Technologie sei einsatzbereit und in Pilotprojekten getestet.

