Sechs Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs hat sich die schwarz-rote Koalition auf ein Entlastungspaket gegen die hohen Energiepreise verständigt. Kern ist ein Tankrabatt: Die Energiesteuer auf Diesel und Benzin soll ab dem 1. Mai für zunächst zwei Monate um jeweils 17 Cent brutto pro Liter sinken. Die Maßnahme kostet den Bundeshaushalt nach offiziellen Angaben 1,6 Milliarden Euro. Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet, dass die Mineralölwirtschaft die Entlastung direkt und ohne Einschränkung an die Verbraucher weitergibt.

Beim Tankrabatt 2022 war das laut einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung nicht vollständig der Fall – die Höhe der Weitergabe ist zwischen mehreren Studien umstritten. Der Mineralölverband sagte im Deutschlandfunk, die Steuerreduktion von etwa 14 Cent plus Mehrwertsteuer werde weitergegeben; der Endpreis hänge aber auch vom Weltmarkt ab. Seit Kriegsbeginn ist der Spritpreis um rund 30 Cent gestiegen. Aktuell erreichen die letzten Öltanker ihre Zielhäfen, die vor Kriegsausbruch in iranischen Häfen ausgelaufen waren – erst jetzt reißt die Rohöl-Lieferkette ab.

Als zweite Maßnahme will die Koalition Arbeitgebern 2026 ermöglichen, ihren Beschäftigten eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie von 1000 Euro auszuzahlen. Die Zahlung ist freiwillig. Der Bund hat für den öffentlichen Dienst bereits angekündigt, dass dafür kein Spielraum besteht; mehrere Industrieverbände verweisen ebenfalls auf jüngste Tarifabschlüsse. Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert die möglichen Einnahmeausfälle auf bis zu 12 Milliarden Euro pro Jahr.

Refinanziert werden soll der Tankrabatt unter anderem über eine vorgezogene Erhöhung der Tabaksteuer bereits 2026 statt 2027. Diese Einnahmen waren ursprünglich von der Kommission zur Reform des Gesundheitswesens vorgeschlagen, um die Krankenkassen zu entlasten. Als zweite Refinanzierungsidee nennt das Einigungspapier eine Übergewinnsteuer: Die Koalition begrüßt, dass die EU-Kommission analog zum EU-Energie-Krisenbeitrag 2022 Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft prüfen will. Eine Festlegung, einen etwaigen EU-Vorschlag zu unterstützen, enthält das Papier nicht. Investitionen in Unabhängigkeit von fossilen Energien, bessere E-Auto-Förderung, mehr Geld für ÖPNV oder Wasserstoff-Ausbau sowie eine Senkung des Strompreises sind nicht Teil des Pakets. Stattdessen will die Koalition das EU-Verbrenneraus für 2030 weiter aufweichen, beim Import fossiler Brennstoffe diversifizieren und nach eigenen Gasfeldern suchen. Laut Stern/RTL-Umfrage befürworten 51 Prozent ein Tempolimit zumindest für die Kriegszeit, darunter knapp 20 Prozent der AfD-Wählenden.