Die Lage der Nation widmet ein Kapitel in eigener Sache der Frage, wie der Podcast finanziert wird. Anlass ist eine Debatte in der Berliner Politik-Podcast-Szene um sogenannte Hostreads, bei denen der Host die Werbespots selbst einspricht. In der Lage übernimmt das meist Philip Banse: Der Vertrieb akquiriert Werbekundinnen und -kunden, die Firma schickt einen Werbetext, der Host bearbeitet ihn so, dass er ihn flüssig vorlesen kann, und spricht ihn ein. In der Fachwelt heißt diese Werbeform Hostread. In den vergangenen Wochen wurde die Debatte um Hostreads in der Berliner Politik-Podcast-Bubble lauter, ein Kollege bezeichnete sie mit Blick auf vorlesende Journalisten sogar als "Prostitution".

Die Lage geht gängige Finanzierungsmodelle durch und erklärt ihren Mix. Grundsätzlich gilt: Journalismus soll möglichst unabhängig recherchieren, fair darstellen und niemanden bevorzugen. Die Frage, woher das Geld kommt, kann diese Unabhängigkeit beeinflussen, weshalb keine Finanzierungsform als ideal gilt.

Das erste Modell ist der Hobby-Podcast: Die Hosts verdienen ihr Geld anderswo, der Podcast bleibt frei und ungezwungen, kommt aber bei journalistischem Anspruch schnell an Recherche-Grenzen. Die Lage war 2016 und 2017 selbst ein Hobbyprojekt, das freitagmorgens in zwei, drei Stunden fertig werden musste. Das zweite Modell ist reine Community-Finanzierung über Spenden: Vorteil sind freie Inhalte ohne Paywall und eine breite Finanzierungsbasis ohne Sponsoren-Abhängigkeit, Nachteil, dass eine organisierte Community oder ein Shitstorm die journalistische Freiheit eng begrenzen kann. Das dritte Modell sind Abo-Gelder mit Paywall: Vorteil ist ein kontinuierlicher Umsatz ohne Werbung, Nachteil, dass Menschen mit wenig Geld ausgeschlossen werden.

Die Lage hat sich für einen Mix aus mehreren Säulen entschieden, eine davon ist Werbung in Form von Hostreads. Konkret kennzeichnet die Lage Werbung mit Trennern vor und hinter den Spots, der Host spricht nicht in der Ich-Form und behauptet nicht, das beworbene Produkt selbst zu nutzen. Sätze wie "Ich habe es ausprobiert" oder "Ich empfehle euch das" werden im Edit gestrichen. Auf der Homepage stehen Werbe-Guidelines, in denen festgelegt ist, welche Firmen, Dienstleistungen und Produkte keinen Werbeplatz bekommen. Geld fließt ausschließlich für das, was zwischen den Werbetrennern läuft. Plattformen wie Apple oder Spotify zahlen keinen Cent, es gibt keine Gadgets, keine Rabatte, keine Gratis-Produkte, keinen kostenlosen Strom; Reisen werden selbst bezahlt.

Neben der Werbung tragen drei weitere Säulen: Spenden, Tickets für Lage-Live-Shows und als wichtigste Säule die Plus-Mitgliedschaften. Plus-Abos lassen sich über `plus.lage-der-nation.org` oder die Lage-App unter `lage.link/app` abschließen. App-Abos bieten Family-Sharing, Website-Abos noch nicht. Als Beispiel für unabhängige Berichterstattung nennt die Lage die Causa Gelbhaar: Sie hatte berichtet, dass eine Grünen-Politikerin wesentliche Vorwürfe gegen Stefan Gelbhaar frei erfunden habe und Gelbhaar dadurch sein Bundestagsmandat grundlos verloren habe.