Neben hohen Preisen rückt zunehmend die Versorgungssicherheit bei fossilen Brennstoffen in den Fokus. Den Anfang dieser Debatte machte die Diskussion um Kerosin, also den Sprit, der vor allem in Düsenjets verwendet wird.

Der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, warnte bereits, dass in Europa schon in zwei bis drei Wochen, also ab Mai, Kerosin knapp werden könnte. Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt schilderte im ZDF, was in diesem Fall passieren würde: Einzelne Flüge müssten gestrichen werden, der „Flug in die Sonne" könnte ausfallen, und es müsste auf volkswirtschaftlicher Basis entschieden werden, welche Flüge überhaupt noch durchgeführt werden.

Diese Szenarien sind nicht mehr hypothetisch. Deutschlands größte Fluggesellschaft, die Lufthansa, hat angekündigt, die Tochtergesellschaft City Line mit bisher 27 Maschinen zeitweise einzustellen. Sechs weitere Flugzeuge mit besonders hohem Spritverbrauch nimmt der Konzern aus der Flotte. Die Financial Times berichtete am Morgen der Sendung, dass die Lufthansa bis zum Herbst 20.000 Flüge streichen will, vor allem kurze Inlandsflüge, die sich bei den hohen Spritpreisen nicht mehr lohnen.

Auch die Internationale Air Transport Association (IATA), der Branchenverband von mehr als 250 Airlines, warnt, dass ab Mai tatsächlich Flüge wegen Spritmangels ausfallen könnten. Konkret werden bereits Flugzeuge nicht mehr betankt. Betroffen wäre nicht nur der Ferienflugverkehr, sondern auch die Luftfracht, über die etwa Medikamente aus China oder Indien nach Europa transportiert werden.

In der Bundesregierung gibt es Streit über die richtige Reaktion. Schon in der Vorwoche war es zwischen Finanzminister Lars Klingbeil und der Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche zu Konflikten gekommen, weil Klingbeil mehrere Gesetze aus dem Haus Reiche, etwa im Bereich Energiewende, in der Ressortabstimmung blockiert. Reiche brachte die Vorhaben dennoch ins Kabinett ein, obwohl die Ressortabstimmung nicht abgeschlossen ist.

Beim Thema Kerosin sagte Klingbeil dem Spiegel, man müsse die Warnung vor einer Knappheit sehr ernst nehmen. Die Lage sei „ähnlich herausfordernd" wie die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Die Beratungen hätten gezeigt, dass die Krise größer und hartnäckiger sei, als viele glaubten; es müsse neben dem Preisproblem auch die Versorgungssicherheit angegangen werden. Reiche reagierte gegenüber der Deutschen Presseagentur mit dem Satz: „Alarmismus bei Kerosin hilft nicht." Sie halte nichts davon, jedes Szenario öffentlich zu diskutieren. Zugleich verwies sie auf die elf Raffinerien in Deutschland, die Kerosin, Benzin und Diesel bereitstellten und die politisch geschützt werden müssten. Wer über eine Übergewinnsteuer rede, treffe damit genau diese elf Raffinerien. Für eine Übergewinnsteuer hatte sich zuvor Finanzminister Klingbeil starkgemacht.