US-Präsident Donald Trump hat wiederholt erklärt, er werde nicht zulassen, dass der Iran eine Atombombe besitzt. Laut New York Times verlangt er, dass der Iran alle Vorräte angereicherten Urans abgibt und keines mehr anreichert. Für den Iran sind diese Forderungen unannehmbar, auch weil der Atomwaffensperrvertrag, den der Iran 1968 unterschrieben hat, die Anreicherung für friedliche Zwecke zulässt. Außenminister Araghtschi hat in Pakistan einen Gegenvorschlag hinterlassen, der darauf hinausläuft, die Atomfrage zunächst auszuklammern und später zu verhandeln.
Natürliches Uran besteht zu über 99 Prozent aus dem nicht spaltbaren Isotop U238 und nur zu rund 0,7 Prozent aus dem spaltbaren U235. Beide Isotope sind chemisch identisch, unterscheiden sich aber in der Zahl der Neutronen im Kern. Bei der Anreicherung wird der U235-Anteil erhöht. Dazu wird Uran mit Fluor in das Gas Uranhexafluorid umgewandelt: ein Uranatom mit vier Fluoratomen. Gasmoleküle mit U235 sind rund 1,27 Prozent leichter als solche mit U238. In schnell rotierenden Zentrifugen fliegt das schwerere U238-Gas etwas weiter nach außen, das leichtere U235 reichert sich an. Pro Schritt steigt der U235-Anteil nur um etwa 0,4 Prozent, deshalb werden Dutzende Zentrifugen in Kaskaden hintereinander geschaltet.
Der Iran baut natürliches Uran im eigenen Land ab und reichert es seit vielen Jahren in solchen Kaskaden an. Für Atomkraftwerke mit langsamer Kettenreaktion genügen rund 3 bis 5 Prozent U235. Für eine Bombe muss die kritische Masse erreicht werden, eine Uranmenge, in der eine exponentielle Kettenreaktion einsetzt. Je höher die Anreicherung, desto weniger Material wird gebraucht. 20 Prozent könnten für eine sehr große, mehrere hundert Kilo schwere Bombe genügen, die nur per LKW oder Schiff transportierbar wäre. Für einen Sprengkopf auf einer Rakete sind mindestens 70, eher 80 Prozent nötig. Die New York Times berichtet, der Iran besitze rund 11 Tonnen Uran unterschiedlich hoher Anreicherung, darunter rund 500 Kilogramm mit 60 Prozent. Genaue Zahlen fehlen, weil die internationale Überwachung vor einigen Jahren eingestellt wurde.
Der Iran ist seit 1968 Vertragsstaat des Atomwaffensperrvertrags und startete in den späten 80er Jahren ein eigenes Atomprogramm. 2002 warfen die USA dem Iran vor, Atomwaffen bauen zu wollen. Die IAEA wirft dem Iran seit Anfang der 2000er eine Politik der Verschleierung vor. 2006 forderte der UN-Sicherheitsrat den Iran auf, alle Anreicherungs-Bemühungen einzustellen, und reagierte mit immer neuen Sanktionspaketen, ohne das Programm zu stoppen. Ab 2013 verhandelten die USA unter Obama mit europäischen Staaten, darunter Deutschland, mit dem Iran und unterzeichneten 2015 das Wiener Abkommen über das iranische Atomprogramm (JCPOA). Es kombinierte teilweise Sanktionsaufhebung mit engen Grenzen: Der Iran musste 98 Prozent seines schwach angereicherten Urans an Russland abgeben, durfte nur bis 3,67 Prozent anreichern und akzeptierte verschärfte IAEA-Kontrollen. 2018 bestätigte die IAEA, dass der Iran seine Verpflichtungen einhielt. Im Sommer 2018 trat Trump aus dem Vertrag aus. 2019 gab der Iran bekannt, mehr angereichertes Uran auf Halde zu haben als erlaubt, 2020 erklärte er sich für nicht mehr gebunden. Trump will nun einen Deal, der besser sein soll als das JCPOA. Auf Social Media schrieb er, das frühere Abkommen sei „a guaranteed road to a nuclear weapon" gewesen, der neue Deal werde „far better than the JCPOA".
Einordnung
Ulf und Philip halten Trumps Maximalforderung — sämtliches angereichertes Uran abgeben, Anreicherung komplett stoppen — für nicht verhandelbar. Auf dieser Grundlage werde es kaum einen Deal geben können, weil der Sperrvertrag dem Iran die friedliche Nutzung zugesteht. Aus ihrer Sicht halte sich der Iran seit den frühen 2000ern nicht an den Sperrvertrag, weil es kein friedliches Interesse gebe, Uran so hoch anzureichern, dass es bombenfähig wäre — für Atomkraftwerke reichten 3 bis 5 Prozent, die der Iran längst hätte.
Ulf hält das iranische Interesse an einer eigenen Atombombe für nachvollziehbar, auch wenn es nicht legitim sei: Jedem im Iran sei klar, dass eine Atomwaffe letztlich der einzige Weg sei, weitere Angriffe Israels oder der USA zuverlässig zu verhindern. Die Nervosität in Washington und vor allem Tel Aviv ergebe sich daraus, dass der Iran nicht mehr weit von der Sprengkopf-Tauglichkeit entfernt sei. Die israelische Sorge, der Iran könne 80 Prozent erreichen und die Bombentechnik in den Griff bekommen, sei nicht von der Hand zu weisen.
Ulf und Philip sehen Trumps Vertragsausstieg 2018 als Kern des heutigen Problems: Das Abkommen habe funktioniert, die IAEA habe die Einhaltung bestätigt. Trump habe das Problem durch den Austritt multipliziert, weil der Iran seither ungebremst auf dem Weg zur Bombe sei. Verantwortlich seien primär Teheran, aber eben auch Donald Trump.
Philip weist darauf hin, dass Trump einen Deal will, der mindestens so wirksam ist wie der Obama-Deal von 2015, aber auf keinen Fall danach aussehen darf. Damals seien fast zwei Jahre Verhandlungen nötig gewesen, und es sei nur um die Anreicherung gegangen. Unter den heutigen, viel schwierigeren Bedingungen — Hormus blockiert, USA-Angriff auf den Iran, Vertrauen massiv erschüttert — sei vielen schleierhaft, wie ein besserer Deal entstehen solle.
Ulf hält einen solchen Deal für kaum erreichbar. Trump kenne nur Siegerdiplomatie aus einer Position der Stärke, durch maximalen Druck und maximale Drohungen. In diesem Spiel habe er aber kein gutes Blatt: Die Zeit spiele für den Iran, die Iraner hätten eher Trump in der Hand als andersherum. Brücken und Kraftwerke im Iran in die Luft zu jagen helfe innenpolitisch nicht weiter. Er habe sich in eine fast ausweglose Situation manövriert. Beide bleiben skeptisch, wann die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen, insbesondere bei der Atomfrage.