Die Straße von Hormus bleibt aufgrund des Krieges zwischen den USA und Israel gegen den Iran geschlossen. Rohöl ist weltweit knapp und teuer; Benzin, Diesel und Heizöl liegen auf Rekordhoch. Die Bundesregierung wollte vor allem Autofahrerinnen und Autofahrer entlasten und hat dafür zwei Instrumente in Gang gesetzt, die diese Woche beide ins Stocken geraten sind.
Erstens wurde die Energiesteuer brutto um 17 Cent gesenkt. Die Monopolkommission, ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung, hat die erste Woche ausgewertet: Die Mineralölkonzerne haben die Erleichterung weitgehend weitergegeben, zugleich wurden die Spritpreise kurz vor Inkrafttreten systematisch und ohne Bewegung beim Rohölpreis erhöht – teils um deutlich mehr als 17 Cent. Der Rabatt setzt also auf einem zuvor angehobenen Niveau auf und gilt für Mai und Juni. Beim Tankrabatt während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nahm die Weitergabe über die Zeit deutlich ab.
Zweitens hatte die Bundesregierung eine steuerfreie 1.000-Euro-Einmalzahlung vorgesehen, die Unternehmen freiwillig an Beschäftigte hätten auszahlen können. Der Bundesrat hat dieser Woche nicht zugestimmt; nur rund vier Länder stimmten dafür. Hintergrund sind Proteste von Unternehmen, die in Stagnation und Rezession keine zusätzliche Auszahlung leisten könnten, sowie drohende Steuerausfälle bei den Ländern – mit beiden Seiten hatte der Bund vorab nicht gesprochen. Manuela Schwesig und Markus Söder haben gebeten, das Vorhaben nicht in den Vermittlungsausschuss zu bringen. Söder hatte sich zuvor bei der Krisensitzung der Koalition in der Villa Borsig für die 1.000 Euro ausgesprochen und im Bundesrat dagegen gestimmt.
Bei den Menschen ist kaum Entlastung angekommen; der Bund hat über die Energiesteuersenkung in zwei Monaten rund 1,6 Milliarden Euro draufgezahlt. In Berlin liegen zwei Vorschläge auf dem Tisch. Erstens: die im Koalitionsvertrag vereinbarte Stromsteuersenkung auch für Privatleute; bislang gilt sie nur für Unternehmen. Gefordert wird das von den Grünen und Teilen der SPD; Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und die Unionsspitze bremsen. Zweitens: sogenannte Direktzahlungen, also direkte staatliche Überweisungen aufs Konto. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat dies in der Debatte gefordert; der Vorschlag wurde verworfen.
Technisch übernimmt das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) die Auszahlung. Grundlage ist die Steuer-ID, die jeder Mensch mit der Geburt erhält. Eine im Bundesfinanzministerium tätige Quelle schreibt der Lage, technisch sei das System „komplett fertig". Intern wurde mit 1-Cent-Überweisungen getestet, begleitet von Streit über Haushaltstitel und Rechtsgrundlage. Einen Feldtest mit Millionenüberweisungen hat es noch nicht gegeben. Das BMF hat im Spiegel bestätigt, dass das System im Prinzip läuft; als Bedenken nennt es mögliche Verzögerungen, fehlendes Personal sowie offene Fragen bei einer einkommensdifferenzierten Auszahlung. Eine BMF-Arbeitsgruppe prüft dies; die Realisierung sei mit „erheblichen rechtlichen und technischen Umsetzungsschritten verbunden" und nicht abgeschlossen. Aktuell liegen dem BZSt bei rund 20 Prozent der Steuer-IDs auch IBANs vor; einreichen lässt sich die IBAN über die App „BZSt IBAN+", Banken, Elster oder bevollmächtigte Steuerberater.

