Das Bundeskabinett hat einen Entwurf für ein neues Gebäudegesetz beschlossen, das künftig Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) heißen und das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) ablösen soll. Der Entwurf muss noch durch den Bundestag; im Kern hat sich gegenüber der Ende Februar von Matthias Miersch (SPD) und Jens Spahn (Union) verkündeten Koalitionseinigung nichts geändert.

Bisher gilt das von der Ampel beschlossene GEG: Ab Juli 2026 müssen neue Heizungen in den ersten Kommunen, später bundesweit, zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden – in der Praxis meist Wärmepumpen. Zusätzlich ist seit der vorletzten GroKo festgelegt, dass Gas- und Ölheizungen ab 2045 nicht mehr betrieben werden dürfen, weil Deutschland bis dahin klimaneutral sein soll. Die 65-Prozent-Grenze stammt aus Habecks Amtszeit; das Betriebsverbot ab 2045 stand schon vorher im Gesetz.

Mit dem Kabinettsbeschluss sollen beide Vorgaben fallen. Der Einbau neuer Gas- und Ölheizungen soll ab sofort, unbegrenzt und auch nach 2045 erlaubt sein; bestehende Anlagen dürfen weiter betrieben werden. Sie sollen zunehmend mit klimafreundlichem Gas beziehungsweise Öl betrieben werden müssen. Ab wann ausschließlich Biogas und Bioöl zulässig sind, regelt der Entwurf nicht; die Beimischung dürfte die Brennstoffkosten erhöhen.

Für Mietverhältnisse sieht der Entwurf vor, dass ab 2028 die Kosten für den CO2-Preis, die Gasnetzentgelte und die Preisaufschläge der vorgeschriebenen klimafreundlichen Brennstoffe (sogenannte Klimatreppe) jeweils hälftig zwischen Mietenden und Vermietern aufgeteilt werden. Im Gesetzestext heißt es: „Eine belastbare Abschätzung der in Zukunft zu erwartenden Kosten ist derzeit nicht möglich. Denn es lassen sich keine gesicherten Annahmen für die Marktentwicklung in diesem Segment treffen." Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärt zugleich öffentlich, das Gesetz bringe Eigentümern und Mietern „mehr Planungssicherheit". Es soll 2030 evaluiert werden und laut SZ noch vor der Sommerpause durch den Bundestag; fundamentale Widerstände in den Fraktionen zeichneten sich nicht ab.

Im Deutschlandfunk hat Klaus Wiener (CDU), Obmann der Union im Wirtschaftsausschuss, das Vorgehen begründet: Man verbiete fossile Heizungen nicht, die effiziente Technologie werde sich ohnehin durchsetzen; im ersten Quartal sei der Wärmepumpenabsatz um 35 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden rund 300.000 Wärmepumpen verkauft; für die Klimaziele im Gebäudebereich wären rund 500.000 pro Jahr nötig. Michael Kellner (Grüne), bis 2025 Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, sagt der SZ, mit diesem Gesetz seien die Klimaziele nicht zu erreichen. Alexander Beer, Energieberater der Verbraucherzentralen, hält gegenüber der SZ für fraglich, ob der CO2-Preis Haushalte tatsächlich zum klimafreundlichen Heizen bewege; die meisten Menschen hätten verstanden, dass die Wärmepumpe die günstigste Heizungsart sei.