Anlass der Umfrage ist ein im Bundestag liegendes Gesetz, von dem vor allem Gasfirmen profitieren und bei dem Millionen Menschen draufzahlen werden. Daraus ergibt sich die Frage, wie man auf Abgeordnete – etwa der SPD-Fraktion – Einfluss nehmen kann. Die Lage hatte ihre Hörerinnen und Hörer aufgerufen zu berichten, ob und wie sie schon einmal auf Abgeordnete im Bundestag oder Landtag eingewirkt haben. Rückmeldungen kamen über einen neuen Signal-Channel, in dem Sprachnachrichten automatisch transkribiert werden.
Johannes, Ende 20 aus Bayern, schrieb seiner Bundestagsabgeordneten kurz nach dem Ampelbruch und vor den Neuwahlen einen dreiseitigen Brief. Darin ging es nicht um ein einzelnes Sachthema, sondern um seine politische Gefühlslage: dass er sich im derzeitigen Parteienspektrum schlecht wiederfinde, das ihn extrem störe und ohnmächtig fühlen lasse. Er nahm Bezug auf Migration, Wirtschaft und den politischen Diskurs. Mit einer Reaktion rechnete er nicht. Etwa eine bis eineinhalb Wochen später rief die Abgeordnete persönlich an und führte ein etwa halbstündiges, lockeres Gespräch – sie wollte seine Hintergründe verstehen und ihren Standpunkt erläutern, ohne ihn überzeugen zu wollen. Für Johannes war das ein Schlüsselerlebnis: Politik kann zugänglich sein, man muss aber selbst die Kanäle finden. Inzwischen ist er Mitglied einer Partei und engagiert sich kommunalpolitisch.
Josef wandte sich an seine Landtagsabgeordnete über Instagram. Er vermutete, dass sie sich teilweise selbst um ihren Account kümmert und Nachrichten selbst liest, was sich bestätigte. Über Instagram kam ein Gespräch zustande, das persönlicher wirkte als eine förmliche Mail. In späteren Landtagsreden hatte er an manchen Stellen das Gefühl, dass seine Themen und Sorgen mit auf dem Schirm waren.
Aus Frankfurt meldete sich die Wissenschaftlerin Eva Straus, die an der Universität Wien unterrichtet hat. In einem Semester habe sie bei Studierenden eine depressive, hilflose Stimmung zu Klimawandel und Klimakrise wahrgenommen – diskutiert werde ein Semester lang, ohne dass man etwas tun könne. Im Folgesemester bot sie ein Seminar an, in dem Studierende E-Mails an Politikerinnen und Politiker zu selbst gewählten Themen verfassten – von mehr Fahrradwegen in Wien über die Verbesserung des österreichischen Rentensystems bis zur Bezahlung von Sozialberufen. Die Gruppen recherchierten konkrete Adressatinnen und Adressaten und schrieben psychologisch fundierte E-Mails mit Ansprache, Wertschätzung und konkreten Vorschlägen. Erstaunlich viele schrieben zurück, manche luden sogar zu Zoom-Calls ein, etwa zum Rentensystem. Die Studierenden bezeichneten das laut Straus als Perspektivwechsel – niemand sei vorher auf die Idee gekommen, konkret jemanden zu kontaktieren. Ziel des Seminars war auch, die Selbstwirksamkeit zu erhöhen.
Ben Suchy aus Lotte ist für die Grünen kommunalpolitisch aktiv. Er schlägt als weiteren Weg die Kreismitgliederversammlung vor. Wer Parteimitglied sei, was relativ schnell gehe, treffe dort regelmäßig Bundes-, Landtags- und Europaabgeordnete – in einem Raum mit 50 bis 80 Leuten, in dem man die Anwesenden direkt ansprechen könne. Aus Suchys Sicht ziehen Bundespolitikerinnen und -politiker aus solchen Treffen viel Stimmungsbild aus der eigenen Region; er habe das mehrfach gemacht und sei stets gehört worden.
Außerdem werden zwei Online-Werkzeuge vorgestellt: brief-nach-berlin.de ist ein KI-gestützter Briefgenerator, der einen vorformulierten Brief per E-Mail schickt – das Absenden bleibt selbst zu erledigen. LiebeMdB.org bindet zusätzlich einen Briefversendeservice an, der den Brief für 2,49 Euro ausdruckt, eintütet und versendet; Ausgangspunkt ist eine Postleitzahl-Suche nach den lokal zuständigen Abgeordneten.

