In einer früheren Folge war im Zusammenhang mit der Produktion und den Kosten von Kerosin am Rande erwähnt worden, dass die deutsche Lufthansa ihre Tochtergesellschaft CityLine wegen der hohen Kerosinpreise geschlossen habe. Im Grundsatz trifft das zu: Die CityLine wurde geschlossen, und einer der Gründe dafür waren tatsächlich die Kerosinkosten. Zugleich war die Schließung der CityLine aber bereits länger geplant und nicht erst durch die Treibstoffpreise ausgelöst.
Inzwischen gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass der Lufthansa-Konzern die Schließung der CityLine nicht allein wegen der hohen Kerosinpreise vorgezogen hat, sondern auch als ultimatives Mittel in einem Arbeitskampf. Bei der CityLine hatte es zuvor massive Streiks gegeben. Die Gewerkschaften kritisieren, die Schließung sei quasi die nukleare Option in diesem Arbeitskampf gewesen — eine brutale Reaktion des Arbeitgebers auf einen Streik. Auch in der Wirtschaftspresse wird die Schließung in den Analysen häufig mit dem Tarifkonflikt in Verbindung gebracht.
Einordnung
Ulf räumt ein, dass die ursprüngliche Darstellung, die Schließung sei auf den Kerosinpreis zurückzuführen, wohl etwas verkürzt war. In die Köpfe der Verantwortlichen bei der Lufthansa lasse sich zwar nicht hineinblicken; nach einer Sichtung der Wirtschaftspresse dürfte der Arbeitskampf bei der CityLine aber jedenfalls auch ein Faktor für die vorgezogene Schließung gewesen sein.