Der Fall betrifft den Autor Arne Semsrott, der auch hinter dem Portal fragdenstaat.de steht — einer Plattform, die beim Stellen von Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz an Behörden und Ministerien hilft. Semsrott hat das Buch „Gegenmacht. Die Zivilgesellschaft schlägt zurück" geschrieben, das Ende Mai erscheint, und ist dafür auf Lesereise, die ihn auch nach Magdeburg führt.
Ursprünglich gab es eine Zusage der Stadtbibliothek Magdeburg, die anschließend wieder abgesagt wurde. Nach Semsrotts Darstellung liegt der Ursprung der Absage in der Stadtverwaltung, die eine entsprechende Weisung an die Bibliothek erteilt habe. Er bringt die Absage in Zusammenhang mit einer Anfrage der AfD, die im Januar nach einer vorigen Lesung an die Verwaltung gerichtet worden war. Um den Vorgang aufzuklären, hat Semsrott eine Informationsfreiheitsanfrage an die Stadt gestellt — auf Zugang zu allen internen E-Mails und Dokumenten zu dem Vorgang.
Die Lesung selbst fällt nicht aus: Es fand sich kurzfristig ein anderer Ort, der Moritzhof, ein zivilgesellschaftlicher Kulturort in privater Trägerschaft. Semsrott stellt klar, dass die Stadt die Lesung nicht verlegt, sondern abgesagt habe; der Wechsel an den privaten Ort sei nicht ihr Verdienst.
Die Lage fragte sowohl bei der Stadtbibliothek als auch bei der Stadt Magdeburg nach. Ein Sprecher der Stadt antwortete zwar schnell, beantwortete die konkreten Fragen aber nicht, sondern verwies auf ein Statement der Oberbürgermeisterin, das im Stadtrat abgegeben werden sollte und öffentlich im Stream verfügbar sei — allerdings erst nach dem Redaktionsschluss der Folge. Auf erneute Nachfrage, ob es keine andere Antwort gebe und ob die Absage mit der AfD zusammenhänge, verwies der Sprecher erneut auf das abzuwartende Statement.

