Das Gespräch findet in einem kleinen Dorf namens Teplitz zwischen Rostock und Wismar statt, am Sitz der Firma Nordwolle. Das Unternehmen stellt Textilien und Funktionsbekleidung aus der Wolle bedrohter deutscher Landschaftsrassen her. Geführt wird das Interview mit dem Firmengründer Marco Scheel, der den Hosts den Standort und das Geschäftsmodell zeigt.
Der Raum, in dem das Gespräch stattfindet, ist kein klassischer Werksverkauf, sondern ein Showroom. Der Unterschied liegt im Produktionsmodell: Nordwolle fertigt ausschließlich auf Bestellung. Eine Überproduktion soll vermieden werden, also Ware, die anschließend im Sale weggedrückt oder vernichtet werden müsste. Beides ist in der Textilindustrie gängige Praxis. Im Showroom hängen alle Modelle in jeder Größe und Farbe aus, sodass Kundinnen und Kunden stöbern und anprobieren können. Erst nach der Bestellung beginnt die Fertigung. An der Wand hängt unter anderem ein Onesie.
Marco Scheel ist über seinen YouTube-Kanal Nordwolle bekannt. Mehrere Shorts sind dort viral gegangen, die sich mit der Verwaltung und seiner Interaktion mit Behörden beschäftigen. Dieses Thema soll im weiteren Gespräch noch vertieft werden.
Das Alleinstellungsmerkmal der Firma sind zwei Punkte: die Produktion in Deutschland und die Verwendung der Wolle bedrohter Landschaftsrassen. Der Hintergrund liegt im European Green Deal. Dieser fordert für Industrien, die Flächen verbrauchen, sogenannte Ausgleichsflächen. Auf diesen Flächen verlangen NGOs wie der BUND oder der NABU eine Beweidung, weil das Beweiden mehrere ökologische Effekte hat: Es erhöht die Artenvielfalt, befähigt den Boden, mehr Humus zu bilden, und ermöglicht es, auch in tiefen Erdschichten CO2 zu speichern. Die CO2-Aufnahme und die langfristige Speicherung werden dadurch stark erhöht, hinzu kommt der Erosionsschutz.
Diese Landschaftspflege durch Beweidung gilt als wichtig. Die Wolle der dafür eingesetzten Schafe hat allerdings im Grunde keinen Markt. Es gibt kaum jemanden, der sie sinnvoll nachfragt. Ein Teil wird nach China exportiert, eine innerdeutsche Produktion auf Basis dieser Wolle existiert praktisch nicht. An diese Lücke knüpft Nordwolle an.