Das Interview findet vor Ort statt: in einer alten, sanierten Scheune, die der Unternehmer Marco Scheel zu Produktions- und Büroräumen umgebaut hat. Scheel führt Philip und Ulf durch das Obergeschoss, in dem genäht und produziert wird, sowie durch das Büro, in dem nach seinen Worten sieben bis acht Leute sitzen.
Der Kern des Falls: Der Betrieb nutzt das Obergeschoss ohne baurechtliche Genehmigung. Scheel bezeichnet die Lage mehrfach als „illegal" und stellt klar, dass sich auch die anwesenden Gäste dort im rechtswidrigen Bereich aufhalten. Stand heute besteht eine Nutzungsuntersagung: Der Betrieb darf die Scheune für den tatsächlichen Zweck nicht nutzen. Weil er es dennoch tut, fallen regelmäßig Zwangsgelder in fünfstelliger Höhe an.
Hintergrund ist ein statisches Problem. Der ursprüngliche Dachstuhl wurde durch eine neue Stahlkonstruktion ersetzt, gebaut von der deutschen Stahlbaufirma Husen. Die gespannten Drähte der Konstruktion besitzen eine Bauzulassung für landwirtschaftliche Gebäude. Für eine landwirtschaftliche Nutzung – etwa zur Unterbringung von Kühen – würde das Dach genügen, für den Aufenthalt von Menschen jedoch nicht. Zugleich bestand die behördliche Auflage, die äußere Erscheinung als landwirtschaftliches Gebäude zu erhalten, was wiederum ein landwirtschaftliches Dach erforderte. Daraus ergeben sich zwei einander widersprechende Auflagen.
Zum Geschäftsbetrieb: Der Gewerbebetrieb nimmt Bestellungen entgegen, fertigt und liefert aus – unter anderem werden Jacken produziert und es wurde die Schuhindustrie beliefert. Nach Scheels Angabe schiebt der Betrieb dauerhaft einen Auftragsbestand von rund 400.000 Euro an bereits eingenommenem Geld vor sich her. Ein kurzfristiges Räumen des Obergeschosses und ein Produktionsstopp sind aus seiner Sicht nicht möglich, weil tausende bestellte und bezahlte Jacken ausgeliefert werden müssen.
Zur Vorgeschichte: Scheel kam mit 28 Jahren – heute ist er 36 – auf das Objekt, das er über Ebay-Kleinanzeigen fand und kaufte. Das Anwesen ist ein sogenannter Vierseitenhof, also ein von Gebäuden eingefriedetes Gelände mit bestehender Bausubstanz und mehreren, vor allem zwei großen Scheunen. Als erste überschaubare Einheit renovierte Scheel einen bestehenden Anbau (Estrich, Industriefußboden, Industriestrahler, Heizung) und begann dort zu arbeiten. Daraufhin erschien ein Mitarbeiter der unteren Bauaufsichtsbehörde und fragte ihn nach seiner Schilderung in barschem Ton, was er dort mache; Scheel gab zunächst wahrheitswidrig an, er lagere dort nur Sachen. Der Mitarbeiter kündigte an, bei nachgewiesenem Gewerbebetrieb das Objekt mit einem Flatterband abzusperren.
Scheel wandte sich an seinen Bürgermeister Manfred, der einen Termin bei der Landrätin Kerstin Weiss (SPD) vermittelte. Nach Scheels Präsentation seiner Produkte und seiner Vision lehnte die Landrätin die Umnutzung der bestehenden Bausubstanz ab. Stattdessen verwies sie auf einen Vertreter der Wirtschaftsfördergesellschaft (Herr Krupp), der eine Parzelle im Gewerbegebiet Upahl verkaufen könne; eine dortige Metallhalle sei binnen drei Wochen genehmigungsfähig und sogar förderfähig. Scheel berichtet, dass die Gewerbegebiete in Upahl und Kritzow großflächig erschlossen, die Parzellen aber nicht verkauft worden seien. Ein Standort im Gewerbegebiet hätte zur Folge, dass die Gewerbesteuer nach Upahl statt in die Gemeinde Züsow fließt. Scheel machte den Fall öffentlich und nannte dabei nach eigener Aussage „Ross und Reiter"; er erhielt nach eigener Darstellung tausende Mails von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen.

