Im Rahmen des Vor-Ort-Besuchs bei dem Unternehmer Marco Scheel geht es um die Frage, ob er gerne Unternehmer ist und was es nach seiner Erfahrung braucht, um selbstständig zu sein. Anlass ist die zuvor geschilderte Auseinandersetzung mit Behörden und der damit verbundene Verwaltungsaufwand. Scheel ist nach eigener Angabe Mitglied im Mittelstandsbeirat der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche. Während des Gesprächs läuft in seinem Betrieb die Produktion weiter: Es wird genäht, eine Bettdecke kommt aus der Maschine und wird eingefasst. Erwähnt wird auch ein Matratzenwerk in der Region, das Mecklenburgische Matratzenwerk in Warin.
Marco Scheel über die Frage, was es zum Unternehmer braucht
Einordnung
Scheel sagt, er sei für das Unternehmertum gemacht, das könne ihm jeder Mitarbeiter bestätigen; es entspreche genau seinem „Mind und Skillset". Auf die Frage, was man dafür brauche, nennt er mehrere Fähigkeiten. Erstens müsse man unkonventionelle Lösungen suchen und durchziehen können, ohne sich daran zu stören, wie andere eine Situation einschätzen oder was „man" angeblich in einer bestimmten Lage tut; dafür brauche es eine gewisse „Widerspruchsresilienz". Zweitens nennt er Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten. Der Widerspruch mit dem Amt sei dabei nur eine Situation von vielen: Daneben gebe es Berufsgenossenschaften und Verbände. Permanent habe er jemanden im Rücken, der ihm mit seinem Regelwerk vorgeben wolle, wie er sein Unternehmen zu führen habe. Man müsse aushalten, von der einen Seite das eine, von der anderen eine gegenteilige Meinung zu bekommen, während es noch eine dritte gebe, nämlich die eigene. In dieser Ambiguität bewege man sich den ganzen Tag.
Freude bereitet Scheel nach eigener Aussage vor allem die Selbstwirksamkeit, auf die er mit Verweis auf den Soziologen Hartmut Rosa eingeht. Er habe die absolute Gestaltungsfreiheit und könne innerhalb eines großen Rahmens „von 0 auf 100" bestimmen, machen und gestalten — bei Produkten, Dienstleistungen und der Mitarbeiterführung. Diese Gestaltungsfreiheit müsse er allerdings manchmal gegen externe Akteure verteidigen. Er begleite Menschen auf einem Entwicklungsweg, etwas Schöneres könne es kaum geben.
Zum Rückhalt sagt Scheel, alle Menschen, die selbst ein Unternehmen führten, sähen es genauso wie er, insbesondere bei der „Amtsfrage". Bestätigung erlebe er auch im Mittelstandsbeirat, in dem die Bundesrepublik beraten werde und aus der Lebensrealität der Unternehmen berichtet werde; dort werde exakt das Gleiche geschildert. Das sei für ihn die „warme Dusche". In seinen YouTube-Auftritten wirke er stets resolut und selbstsicher, was er auch sein müsse, weil er als „Kapitän" auf dem „kleinen Schiff" Sicherheit ausstrahlen müsse — wenn er anfange zu wanken, fingen alle anderen an zu zittern. Nachts, wenn er nicht schlafe, sei es um die Selbstsicherheit aber nicht ganz so gut bestellt; dann helfe der Zuspruch von Menschen, die seine Realität kennen, weil sie selbst darin steckten.
Philip fragt nach, ob die Tätigkeit Scheel Spaß mache und was es konkret brauche, um Unternehmer zu sein. Er bringt dabei die Einschätzung ein, dass dazu auch ein bisschen Mut und Vertrauen in sich selbst gehöre — nach dem Motto „Ich probiere das jetzt".


Ulf weist darauf hin, dass Scheel zwar von Widerständen und Leuten berichtet habe, die ihm „reinregieren" wollten, dass er aber nicht allein sei: Es gebe auch viele Solidarische, die hinter ihm stünden. Er erinnert an Scheels frühere Schilderung, viele Mails — unter anderem vom Unternehmerverband im Landkreis — erhalten zu haben, und fragt nach, wer ihm eher Unterstützung gebe.