Unternehmer Marco Scheel berichtet in der Folge von einem konkreten Fall aus seinem betrieblichen Alltag; Ulf Buermeyer und Philip Banse sind dabei seine Gesprächspartner. In Warin in Mecklenburg gab es ein Matratzenwerk, das „Mecklenburgische Matratzenwerk". Es war nach Scheels Schilderung kein Betrieb aus DDR-Zeiten, sondern erst nach der Wende entstanden. Der Betrieb war schon länger insolvent und hatte rund eine Woche vor der Aufnahme den Betrieb endgültig eingestellt.
Das Werk hatte zuvor für Scheels Unternehmen produziert: Sein Betrieb lieferte die Vorprodukte – Wolle und weitere Halbfertigzeuge –, und das Matratzenwerk übernahm die Endmontage der fertigen Matratzen. Mit der Schließung des Zulieferers stand Scheel also vor dem Verlust einer eingearbeiteten Belegschaft, die sein eigenes Produkt bereits kannte.
Als das Werk schloss, rief Scheel beim Arbeitsamt an. Sein Anliegen: Er wollte die freigesetzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Werks übernehmen, weil er sie als bereits qualifizierte Kräfte für seine eigene Produktion brauchte. Die Antwort der Behörde lautete sinngemäß, so arbeite man dort nicht. Man könne nicht einfach anrufen und bestimmte Personen anfordern; stattdessen müsse Scheel eine Stelle ausschreiben.
Genau daran entzündet sich Scheels Kritik. Eine ausgeschriebene Stelle – etwa für eine „Produktionshilfe" – würde nach seiner Darstellung eine große Zahl von Bewerbern anziehen, die nie im Matratzenwerk gearbeitet haben; vor seine gewünschten Leute schöben sich so zahlreiche fachfremde Arbeitssuchende. Er wollte aber gerade die konkret eingearbeiteten Beschäftigten aus dem geschlossenen Betrieb, nicht beliebige andere. Der vorgesehene Weg über die Ausschreibung passe daher nicht zu seinem Bedarf, eine bereits mit dem Produkt vertraute Belegschaft direkt zu übernehmen. Auch diesen Einwand wies die Behörde mit dem Hinweis „So arbeiten wir nicht, Herr Scheel" zurück.
Im Interview entwickelt Scheel zwei getrennte Punkte, wie aus seiner Sicht ein nahtloser Übergang möglich gewesen wäre. Erstens hätte die Behörde die betroffenen Beschäftigten informieren können, wenn diese sich beim Amt melden: Man hätte ihnen direkt mitteilen können, dass es eine Anschlussbeschäftigung gibt, und ihnen Scheels Visitenkarte mitgeben können. Zweitens hätten diese Menschen dann vom ersten Moment an weiterbeschäftigt werden können, ohne überhaupt Leistungen beziehen zu müssen – ein übergangsloser Wechsel ohne Kosten für die Gesellschaft und die Allgemeinheit. Scheel argumentiert, dass das eingesparte Geld an anderer Stelle gebraucht werde.
Letztlich, so Scheel, habe er sich auf dem „kurzen Dienstweg" beholfen: Er habe eine Frau Frenzel bei einer Gelegenheit im Werk persönlich angesprochen und auf diesem Weg eine Lösung gefunden.

