Marina Rudyak ist Sinologin, regulär an der Universität Heidelberg tätig, derzeit als Gastprofessorin am Paul Tsai Center for Chinese Law der Yale-Universität in den Vereinigten Staaten. Ihre Forschung dreht sich um China und den globalen Süden sowie um chinesische und internationale Rechtskontexte.
Der Zugang zum Fach ergab sich 2001 über den Bruder eines Schulfreundes. Rudyak studierte Sinologie in Heidelberg, verbrachte das zweite Studienjahr in Shanghai und schrieb ihre Magisterarbeit zu Chinas Energiesicherheitspolitik in Zentralasien, motiviert durch ein Praktikum in Kirgisistan. Rudyak ist in Moskau geboren und seit ihrem elften Lebensjahr in Deutschland aufgewachsen, sie spricht Russisch.
Nach dem Magister ging sie statt in eine Promotion zur Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) nach Peking, getragen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Über viereinhalb Jahre arbeitete sie dort in einem Programm zur wirtschaftspolitischen Reformberatung für die chinesische Regierung. 2014 kehrte sie nach Heidelberg zurück und promovierte zu Chinas eigener Entwicklungshilfe für andere Entwicklungsländer. Weitere Stationen sind Cambridge und aktuell Yale.
Einordnung
Position von Marina Rudyak
Rudyak begründet ihren Forschungsansatz mit einer Beobachtung aus ihrer GIZ-Zeit: Während China als Geber von Entwicklungsfinanzierung immer wichtiger wurde, liefen aus ihrer Sicht zwei Debatten nebeneinander her — die westliche in Politikwissenschaft und Ökonomie auf Basis englischsprachiger Quellen und die innerhalb der chinesischen Politik und Wissenschaft, die nicht auf Englisch publizierte. Sie sieht es als ihre Aufgabe, die Fragen der deutschen und europäischen Entwicklungszusammenarbeit als Sinologin zu beantworten, also chinesische Politik im Original zu lesen. Die GIZ ordnet sie selbst als das ein, was im Chinesischen als Staatsunternehmen bezeichnet würde — formal ein Unternehmen, aber zu 100 Prozent in Staatsbesitz.