Die Rekrutierung der chinesischen Eliten läuft über die Kommunistische Partei. In den vergangenen rund 30 Jahren, also seit dem Tod Maos und dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik, zeichnen sich nach Darstellung der Sinologin Marina Rudyak zwei wesentliche Stränge in den Biografien der Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker ab.

Der erste Strang sind die sogenannten Prinzlinge: Kinder hoher Parteikader aus der Mao-Ära, die im System aufwachsen, in das System hineingehen und dort protegiert werden. Xi Jinping selbst gilt als Prinzling. Sein Vater war seit der chinesischen Revolution ein Weggefährte Maos.

Der zweite Strang führt über den Kommunistischen Jugendverband, in den man im Laufe der Ausbildung eintritt; nach Rudyaks Angabe spätestens an der Universität, möglicherweise schon zum Ende der Schulzeit. Aus diesem Jugendverband stammte beispielsweise Hu Jintao, der Vorgänger Xi Jinpings im höchsten Parteiamt.

Bis in die Regierungszeit Xi Jinpings hinein hielten sich diese beiden Faktionen, also Strömungen innerhalb der einen Partei, ungefähr die Waage. Unter Xi Jinping hat sich dieses Gleichgewicht verschoben. Die Vertreter aus der Faktion des Kommunistischen Jugendverbands haben an Macht verloren. Das aktuelle Zentralkomitee ist ausschließlich mit Personen besetzt, die der Faktion Xi Jinpings zugerechnet werden. Viele von ihnen haben ihn über lange Strecken seiner politischen Laufbahn begleitet, etwa in seiner Zeit als Provinzgouverneur in Zhejiang und in seiner Zeit in Shanghai. In einer Art Patron-Klient-System steigen diese langjährigen Weggefährten gemeinsam mit ihrem Patron auf.

Zum Vergleich zieht Ulf das deutsche System heran: Dort engagiert man sich in einer Partei, wird im Idealfall für eine Wahl aufgestellt, zur Abgeordneten oder zum Abgeordneten gewählt und durchläuft eine politische Ochsentour, an deren Ende ein Ministeramt oder die Regierungschefschaft stehen kann.