Im Gespräch mit der Sinologin Marina Rudyak (Universität Heidelberg/Yale) geht es um die Frage, mit welchen Mitteln Chinas Staat dafür sorgt, dass die Ziele seiner Fünfjahrespläne tatsächlich erreicht werden. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass es in Deutschland Politikfelder mit eigenen Zielen gibt, aber keinen kumulierten Plan, hinter dem der gesamte Staat steht, während China einen solchen Plan kennt.

Als zentrales Ziel des laufenden Fünfjahresplans wird Künstliche Intelligenz als kritische Zukunftstechnologie benannt. Hinterlegt ist dieses Ziel mit detaillierten Vorgaben: Bis zum Auslaufen des Plans soll KI in 90 Prozent der Wirtschaft integriert werden. Begleitend sind Ziele für Energieeffizienz formuliert.

Als Umsetzungsmechanismus wird das Performance-Evaluierungssystem für Parteikader beschrieben: Die Plan-Ziele werden in die Bewertungskriterien für Provinz-Parteikader und Wirtschaftskader auf Provinzebene überführt. Diese Kader werden daran gemessen, ob die Ziele erreicht sind, und steuern in ihren Provinzen über Instrumente wie Subventionen Unternehmen an, sich anzusiedeln und die Vorgaben umzusetzen.

Als konkretes Beispiel wird der KI-Client „OpenClaw" genannt, der bei verschiedensten Abläufen im Alltag helfen soll. Die Regierung mache derzeit einen großen Rollout, um Menschen bei der Nutzung dieses Clients zu unterstützen. Als äquivalentes Beispiel für die Dimension wird genannt, dass die Bundesagentur für Arbeit kostenlose Trainings für ChatGPT anbieten und das Abo bezahlen würde. Bei OpenClaw handelt es sich um ein KI-basiertes System, das per Text- oder Spracheingabe ermöglicht, Computer und Maschinen zu steuern – bis hin zum Auftrag, eine Vase zu designen, drucken und liefern zu lassen. Das System gilt einerseits als erstaunlich leistungsfähig, andererseits als gefahrbehaftet und schwer zu kontrollieren. Trotzdem fördert der chinesische Staat mit staatlichem Geld die breite Nutzung dieser Software.