China ist der größte CO2-Emittent der Welt. In der politischen Debatte in Deutschland wird dies regelmäßig als Argument gegen nationale Klimaschutzmaßnahmen angeführt: Es sei egal, was Deutschland tue, solange China derart hohe Emissionen verursache.
Zugleich zeigen aktuelle Zahlen ein differenzierteres Bild des chinesischen Energiemixes. Im Jahr 2025 machten erneuerbare Energien über die Hälfte, konkret 56 Prozent, der gesamten in China installierten Stromerzeugungsleistung aus. Bei den im Jahr 2024 neu installierten Leistungen lag der Anteil erneuerbarer Energien sogar bei 86 Prozent. Auf andere Energieträger entfielen damit höchstens 14 Prozent der neu installierten Leistung.
Parallel dazu existieren in China weiterhin zahlreiche Kohlekraftwerke, und in geringerem Umfang werden auch neue Kohlekraftwerke gebaut. Der chinesische Ökonom Justin Lin, einer der führenden Ökonomieprofessoren des Landes und früherer Chefökonom der Weltbank, legt in einem Buch und in Fachartikeln dar, dass China Kohle als Brückentechnologie betrachte. Begründet wird dies mit der Sorge vor zu großen gesellschaftlichen Verwerfungen: Ein zu schneller Ausstieg würde dazu führen, dass viele Menschen ihre Arbeit verlieren, was Proteste auslösen könnte. Die chinesische Regierung sorgt sich nach ihren eigenen Aussagen sehr wohl um soziale Unruhen.
Ein praktisches Beispiel für den Wandel ist die Luftqualität in Peking. Der Air Quality Index (AQI) misst die Feinstaubpartikelbelastung in der Luft; ein gesunder Wert liegt bei 30. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt nach den im Podcast genannten Werten bereits ab etwa 50 oder 60 Notfallmaßnahmen wie Fahrverbote für Autos. In Peking lag der Normalwert zwischen 2009 und Ende 2013 zwischen 300 und 500. Aktuell sind nach Schilderungen aus Peking gefühlt etwa die Hälfte der Autos auf den Straßen E-Autos, und viele Kohlekraftwerke rund um die Hauptstadt wurden abgeschaltet. Von Peking aus sind heute regelmäßig die umliegenden Berge zu sehen, was zwischen 2009 und 2013 nur an wenigen Tagen im Jahr möglich war, etwa rund um die Maifeiertage oder den Parteitag im Oktober, wenn behördlich angeordnet alles abgeschaltet wurde.
Die Abschaltung der Kohlekraftwerke um Peking hat auch negative Folgen für die dortige Bevölkerung: Ein gleichwertiger Ersatz für die Energieversorgung steht nicht überall zur Verfügung, was teilweise dazu führt, dass Menschen frieren.
China ist zugleich ein Netto-Exporteur von Treibhausgasemissionen. Ein großer Teil der in China entstehenden Emissionen fällt bei der Produktion von Waren an, die in Europa und den USA konsumiert werden.


