In europäischen Medien tauchen regelmäßig Hinweise auf Probleme in Teilen der chinesischen Wirtschaft auf. Zwei Stichworte stehen im Raum: Immobilien- und Autoblase. Die Immobilienblase betrifft als nicht tragfähig geltende Spekulationen – ein großer Bauträger ging pleite, viele verkaufte Wohnungen wurden nicht fertiggestellt, andere stehen leer, viele Käufer hatten sich hoch verschuldet. Die Autoblase entsteht aus massiven Subventionen für chinesische Autohersteller und führt zu Überkapazitäten; in China existieren mehr als 100 Autofirmen, die sich gegenseitig kannibalisieren.

Hintergrund ist ein Strategiewechsel seit der globalen Finanzkrise 2008. Damals brachen für China internationale Absatzmärkte weg; die Regierung schickte Wanderarbeiter aus den Provinzen zurück in die Dörfer und bezahlte sie dafür, zu Hause zu bleiben – aus Sorge vor Protesten. Seitdem verfolgt Peking ein De-Risking: weniger Abhängigkeit von internationalen Märkten, mehr Binnenkonsum. Mit Blick auf den Iran-Krieg verschärft sich diese wahrgenommene Verwundbarkeit weiter.

Die Stützung des Technologie- und KI-Sektors ist Teil dieses Kurses. Zusätzlicher Treiber der Automatisierung ist der demografische Wandel: Die Regierung geht davon aus, dass Arbeiter knapp werden. Aus der Bevölkerung kommt Kritik – es gebe zwar viele Roboter, der Alltag bleibe aber hart.

Beim Binnenkonsum bleibt die Bevölkerung zurückhaltend. Gründe sind Immobilienkrise und fallende Preise, hohe Arbeitslosigkeit junger Akademiker und eine hohe Sparquote. Eine flächendeckende Steigerung ist in einem Land schwierig, in dem 900 Millionen Menschen von rund 10 Dollar am Tag leben. Ein staatliches Alterssicherungssystem existiert kaum, Vorsorge läuft über Wohnungseigentum und Familie. Die Familien schrumpfen weiter; auf Aufrufe, mehr Kinder zu bekommen, reagiert die Bevölkerung kaum. Wer kann, schickt Kinder oder Geld ins Ausland.

Auf der Angebotsseite bleiben Überkapazitäten zentral. Der US-Markt ist weitgehend zu, Europa beschränkt den Marktzugang. Bisher lautet die chinesische Antwort, der Rest des Weltmarkts sei groß genug. China stelle teils etwas andere Produkte her als der Westen – KI-Anwendungen einen Tick schlechter, Elektroautos einen Tick kleiner und einen Tick schlechter. Wichtige Absatzmärkte sind der Nahe Osten, wo die Energietransformation arabischer Staaten auf chinesischen Solarzellen beruht, und der globale Süden. So fängt China den fehlenden Binnenkonsum bislang durch Exporte auf.

Offen bleibt das Flying-Geese-Modell: Historisch gaben technologisch aufsteigende Länder einfachere Produktion an nachfolgende Länder ab. Chinas erklärte Linie sieht anders aus – sowohl Hightech als auch Low-Tech sollen im Land bleiben. Verlagert sich Low-Tech aber nicht weiter, ist offen, wie der globale Süden das Einkommen erwirtschaften soll, mit dem er chinesisches Hightech kaufen könnte.