In ganz Afrika sind chinesische Unternehmen mit großen Infrastrukturprojekten präsent: Häfen, Straßen, Brücken, Container-Terminals und Mobilfunknetze, etwa auf Sansibar oder in Nigeria. Die Firmen sind teils staatlich, teils privat.
China ist auf dem Kontinent nicht erst seit kurzem aktiv: Über Entwicklungshilfe und technische Zusammenarbeit war es lange präsent, finanziert mit zinsfreien Krediten für Straßen und Stadien. In den 1990er Jahren brachen die westlichen Entwicklungshilfeleistungen für Subsahara-Afrika um 40 Prozent ein, weil sie mit dem Ende des Kalten Krieges ihre Rolle als geopolitisches Instrument verloren. Gleichzeitig erlebte China großen wirtschaftlichen Fortschritt. Die Regierung baute ihr Modell um: Entwicklungshilfe wurde mit Investition und Handel verknüpft, chinesische Unternehmen wurden subventioniert, um in Afrika Projekte umzusetzen. Vorbild war unter anderem die japanische Entwicklungshilfe, die China selbst kennengelernt hatte.
Nur ein kleiner Teil der heutigen Projekte wird zinsvergünstigt finanziert; der Großteil läuft zu Marktzinsen mit Laufzeiten von meist 25 Jahren. Die Idee: Bis zur Rückzahlperiode sollen die Projekte profitabel genug sein, um die Rückzahlung zu generieren. Im chinesischen Kontext heißt das Modell Build-Operate-Transfer. Da das Geld von chinesischen Staatsbanken kommt und die Projekte von chinesischen Staatsunternehmen umgesetzt werden, ist es faktisch eine Public-Public-Partnership. Für afrikanische Regierungen ist das Paket attraktiv, weil China die Finanzierung mitbringt – egal ob Staatsunternehmen Straßen bauen oder Huawei 3G-, 4G- oder 5G-Netze. Oft ist China das einzige Angebot. In Tansania lehnten Weltbank und westliche Geber die Finanzierung eines Glasfaser- und Digitalisierungsausbaus ab; China sagte zu. Folge: Die Standards sind chinesisch, und die Datenwertschöpfung findet im Zweifel in China statt, weil die Server dort stehen.
Viele Projekte erwirtschaften nicht genug für Raten und Zinsen; Schulden bleiben bei den afrikanischen Staaten hängen. China ist der größte bilaterale Gläubiger der Niedrigeinkommensländer. Auf den gesamten Kontinent bezogen macht China 12 Prozent der Schulden aus, westliche Geschäftsbanken wie Deutsche Bank oder BNP Paribas zusammen 35 Prozent; der Rest entfällt auf Weltbank, andere bilaterale Gläubiger und regionale Banken. Die 1994 gegründete China Development Bank ist der größte bilaterale Kreditgeber; ihr Hauptgeschäft ist Regionalentwicklung in China, ihr Board mit Personen aus chinesischen Landwirtschaftsbanken besetzt. Bis 2017 hatten die beiden großen Policy-Banken keine eigene Regulierung und orientierten sich an jener für Geschäftsbanken. Erst 2017 wurde verlangt, ein Kreditrisikomanagementsystem aufzubauen und Länder-, Kultur- und geopolitische Risiken zu berücksichtigen. Die Seidenstraßeninitiative startete 2013, die großen Kreditvergaben ab 2015 bis 2017. Nach Covid hat sich China im Common Framework der G20 an der Entschuldung beteiligt. Bei Zahlungsunfähigkeit passt China die Rückzahlungsbedingungen an, erlässt die Kredite nicht und fordert keine Assets ein.


