Im Gespräch geht es um die Rolle Chinas im russischen Krieg gegen die Ukraine. Behandelt werden die Form der wirtschaftlichen Unterstützung, die Motivation aus chinesischer Sicht sowie die Folgen für eine mögliche Beendigung des Krieges. Erwähnt werden konkret die Substitution westlicher Unternehmen durch chinesische Anbieter in Bereichen wie Autoproduktion und Landwirtschaftsproduktion sowie Lieferungen im sogenannten Dual-Use-Bereich – ziviler Produktion, die auch militärisch nutzbar ist. In abgeschossenen Drohnen finden sich chinesische Komponenten. Als geografischer Rahmen wird die über 4.000 Kilometer lange Grenze zwischen China und Russland genannt sowie die Provinz Xinjiang, an die zentralasiatische Staaten angrenzen, in denen China massive Öl- und Gasinteressen hat. Vor dem Krieg war China der größte Abnehmer von ukrainischem Getreide.
Einordnung
Rudyaks Position
Marina Rudyak hält fest, dass Russland den Krieg ohne Chinas wirtschaftliche Unterstützung nicht so führen könnte, wie es ihn bisher führt. Die Unterstützung sei in der Breite wirtschaftlich: China habe an vielen Stellen substituiert, an denen sich westliche Unternehmen zurückgezogen haben – von der Autoproduktion über die Landwirtschaftsproduktion bis hin zu Dual-Use-Bereichen. Belegt werde dies unter anderem dadurch, dass in abgeschossenen Drohnen chinesische Komponenten gefunden würden. Zugleich verweise China selbst darauf, dass Russland den Krieg gewonnen hätte, wenn Peking voll unterstützen würde. Daraus folgert Rudyak: China unterstützt so, dass Russland den Krieg weiterführen kann, aber nicht so, dass Russland gewinnt.
Die Motivation dafür sei relativ einfach. China habe eine über 4.000 Kilometer lange Grenze mit Russland; es sei für Peking von Kerninteresse, dass Russland stabil bleibe. Die Regierung in Moskau dürfe nicht mit einem potenziell schlechteren Ausgang kollabieren. Ein demokratisches Russland sei für die chinesische Führung ebenfalls kein Ziel – aus Rudyaks Sicht wäre es allerdings die stabilste Lösung, was sie chinesischen Kolleginnen und Kollegen auch so sage. Genauso wenig wolle China, dass Russland gewinne: Dann könne Peking nicht sicher sein, dass Putin nicht als Nächstes Appetit auf zentralasiatische Staaten bekomme, in denen China massive Öl- und Gasinteressen hat und die an Xinjiang grenzen.
Ein Interesse am Ende des Krieges habe China sehr wohl, betont Rudyak. China habe gute Beziehungen zur Ukraine unterhalten und sei der größte Abnehmer ukrainischen Getreides gewesen. Peking habe aber kein Interesse an einer Beendigung des Krieges, bei der Russland gewinnt oder verliert.
Ulf
Ulf Buermeyer fasst die Analyse zusammen: Aus chinesischer Sicht solle Russland in einem Schwebezustand gehalten werden. Das bedeute zugleich, dass der Krieg im Zweifel weitergehe, weil China weder einen Sieg Russlands wolle – wegen des Risikos weiterer Aggressionen – noch eine Niederlage, wegen der unklaren Folgen für Putins Regime. Auf eine Verhandlungslösung, in der alle Seiten ein bisschen gewinnen und verlieren, gebe es bislang aber keine Anzeichen.